Hohe Kilopreise? Oder doch nicht?

Ein Cello von Philippe Girardin aus Neuchâtel

And now for something completely different… Das derzeitige Cello, was ich schon seit gut 20 Jahren spiele, öffnet sich an mehreren Stellen, und zwar nicht musikalisch, sondern an Decke und Boden. Weil es jetzt beim Spielen auch anfängt zu scheppern und zu schnarren, muss das doch mal (richtig) repariert werden.

Also ab zu Ioan nach Winterthur, der hat die richtigen Cellobauer an der Hand.  Nach Problembeschreibung und Beratung wird ausserdem noch der Wolf mit verringert und die Saiten kommen auf den Standard-Abstand vom Griffbrett hoch, die sind momentan viel zu tief — momentan sind es Geigen-Abstände und die Cello-Abstände sind etwa 2-3mm höher. Das stört aber eigentlich nicht und ich kann es mal ausprobieren mit einem anderen Steg, wie es sich dann spielt bzw. wie es dann klingt.

Als Leihcello hat er mir gleich eins von Philippe Girardin in Neuchâtel in die Hand gedrückt (der wird auch mein jetziges komplett öffnen und reparieren). Und was soll ich sagen: da sind Welten dazwischen vom Klang! Es spricht viel besser an, der Ton trägt länger und es geht von leise bis laut, ohne zu kratzen. Mehr kann ich als Laie noch gar nicht dazu sagen. Es passt nur knapp nicht in meinen Fiedler-Cellokoffer, wobei man ja eigentlich annehmen würde, dass die Grössen halbwegs gleich sind.

Vorher war’s so wie mit einem unscharfen Messer Brot zu schneiden. Jetzt ist es wie mit einem neuen Victorinox 😀 Es ist wohl doch wie bei den Velos, dass sich ein gewisser Preis im Klang (rrrrrr) bzw. der Fahr-/Spielfreude bemerkbar macht. Lustig waren dann die zwei verschiedenen Ansichten bezüglich Preisen und Wertentwicklung: wenn ich das die nächsten 30 Jahre spiele und sogar wenn es dann Restwert Null hätte, kann es mir eigentlich fast egal sein, ob es 1’000 oder 2’000 Fr. pro 100g kostet oder entsprechend um die 1000 Fr. pro Jahr beim angegebenen Preis, solange es mir einen dauerhaften Nutzen (Spielfreude) bringt. In jedem Fall ist die Wertentwicklung sicher besser als bei einer Immobilie, die in einer Garage parkiert wird.

Im Wallis ganz hinten…

Bisher wusste ich gar nicht, dass ich ins Wallis genauso lange fahren kann wie nach Tirano. Aber es geht tatsächlich. Es haben noch zwei Bahnhöfe gefehlt unterhalb des Stausees Lac d’Emosson. Abfahrt 06:04 Uhr, wegen ein paar Baustellen nicht auf der Neubaustrecke nach Bern, um 11:23 Uhr in Le Châtelard VS, von dort mit der Kombination von Standseilbahn, 60cm-Schmalspurbahn (akkubetrieben) und nochmal Standseilbahn hinauf bis zum Stausee. Ich war der einzige Fahrgast mit den letztgenannten drei Verkehrsmitteln, es hätten wesentlich mehr Leute Platz gehabt. Die drei Attraktionen und weitere sind als Verticalp D’Emosson zusammengefasst.

Oben war’s recht kalt, die Aussicht und die Wandermöglichkeiten sind im Sommer sicher besser. Momentan liegt noch ein bisschen Schnee.

Gemütlich ging es wieder runter, noch kurz bis Le Châtelard Frontière hinauf, dort einen Kaffee an der Grenze geholt und wieder mit dem gleichen Zug abwärts bis Martigny.

600mm-Feldbahn am Berghang.

Die nächsten beiden Bahnhöfe waren beide oberhalb von Aigle, Stundentakt, ich hatte viel Zeit auf dem Bahnhofplatz. Witzig war der Fahrer eines tiefergelegten (!) Range Rover (!!) (wieso legt man so ein Teil tiefer? Fürs Gelände?): er wollte wohl einem anderen tiefergelegten Fahrzeughalter mal zeigen, wer schneller ist. Dumm war nur, dass er mit seinem auf- und angekratzten Ego vergessen hatte, dass er nach dem Beladen seines Autoimmobils die Heckklappe noch nicht geschlossen hatte. Beim Beschleunigen purzelten ihm dann peinlicherweise die Gepäckstücke über 50m Strasse verteilt hinaus. Da war ich nicht der einzige Zuschauer, der sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.

Sowohl bei Plambuit als auch bei Rennaz/Leysin wusste ich, dass dort die berggehenden und talfahrenden Züge ein Rendezvous haben würden. D.h. im dümmsten Fall würde ich aussteigen, ein Foto machen und eine Stunde warten müssen. Es hat aber in beiden Fällen geklappt, dass die Fotoperspektive gut war und ich jeweils gleich mit dem Zug gegenüber wieder talwärts fahren konnte. Bei Rennaz kam noch dazu, dass der Halt so aussieht, als ob da das Ein- und Ausspuren auf Zahnradbetrieb stattfindet.

Im Zug nach Rennaz haben sich fünf jüngere ™ Leute hinzugesetzt, bzw. der Zug war komplett voll mit ähnlichen Leuten. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass sie eine sechswöchige Ausbildung an der Hotelschule in Leysin machen. Sie hatten laut herumgerätselt, was passieren würde, wenn man kein Billett hätte. Sie waren sich nicht sicher, ob man nicht gleich verhaftet werden würde. Da musste ich dann doch was dazu sagen 🙂 Sie fanden das GA jedenfalls sehr günstig für das, was es bietet, auch das 1.Klass-GA. Sie vermuteten auch gleich, dass ich kein Auto hätte und lagen damit richtig. Es besteht doch noch Hoffnung für die USA, sie waren alle aus Florida. Ihre nächsten Touren gehen mit dem Nachtzug nach Wien, dann nach München und wieder 8h zurück nach Leysin. Ihre halbleere Rosé-Weinflasche bezeugte wohl, dass sie gern Bahn fahren.

Und weil ich jetzt gegenüber meiner Marschtabelle 2h eingespart hatte, da ich jeweils keine Stunde an den zwei Bahnhöfen warten musste, hab ich noch den letzten Dampfbahnhof der Museumsbahn Blonay-Chamby mitgenommen. Und: mit dem Mobility-Elefantenrollschuh! Zeitlich war ich mit dem Smart fortwo deutlich schneller, als wenn ich alles mit dem Zug und zu Fuss gemacht hätte. 15km Gesamtstrecke und als ich das Auto wieder am Bahnhof in Vevey abgestellt habe, stand mein elektrisches Grossraumtaxi schon zur Weiterfahrt auf Gleis 2 bereit. In Lausanne gab’s noch eine halbe Stunde Aufenthalt und dann die Heimfahrt.

Statistik: etwa 800 Bahnkilometer, 6-23 Uhr “on rails”, etwa 15h Netto-Fahrzeit. Fünf Bahnhöfe fotografiert, noch vier verbleiben. Ich hab’s wohl ein bisschen übertrieben.

(Edit am 19.05.: drei Bahnhofslinks ergänzt, nachdem die Fotos bei railway-stations.org eingepflegt worden sind)

Jurabahnhöfe, die letzten

Nachdem @georggmuer schon das Val de Travers und noch einige andere Bahnhöfe im Jura fotografiert hatte, blieben in der Region nur noch die acht Stationen zwischen Les Emibois und La Combe-Tabeillon. Es war Regen angesagt und je näher ich nach meinem Termin an der ZHAW in Winterthur dem Ausstiegsbahnhof kam, desto mehr verdüsterte sich der Himmel. Als ich dann in Breuleux ausstieg, begann es zu regnen. Später kamen heftige Schauer, Platzregen und Gewittergüsse dazu, unterbrochen aber auch wieder von sonnigen Abschnitten.

Dafür war niemand sonst unterwegs. Ich war nach einem Kilometer komplett nass, aber da es warm war und die Ausrüstung sonst passte, war das kein Problem. Ich war entsprechend vorbereitet.

Regen grad vorbei.

Ab Pré-Petitjean ging es abseits der Strasse weiter, was zwar schlechteren Bodenbelag zur Folge hatte, aber auch gar keinen Verkehr mehr. In La Combe stand das Bahnhofsbuffet wie aus dem Nichts an der Strecke, ich bin davor links unter der Bahnlinie durch abgebogen. Es folgten auch noch vier Viehgatter und mehrere aus Neuseeland wohlbekannte cattle grids. Ein älterer Hund mit zwei verschiedenfarbigen Augen gesellte sich in La Combe noch zu mir, aber er hatte wohl seinen freien Tag und keine Lust auf ein Foto mit mir. Vielleicht war er auch einfach ein fremdsprachiger Hund, der mit meinem Text nicht klarkam.

Zwischen Pré-Petitjean und La Combe. Sonnig und Gewitter vorne.

Bei dem immer schlechteren Streckenbelag wäre ich um Federung doch froh gewesen und beim Bergabfahren vor allem um nässeresistente Scheibenbremsen*. Die Strecke führte 4km weiter durch die Schlucht der Tabeillon. Idyllisch-holprig, die Feuchtigkeit vom Regen hing noch tief im Tal und in den Bäumen, das lässt sich auch sehr gut erwandern.

Zielbahnhof war La Combe-Tabeillon, davor macht der Zug eine Kehre (ohne Kehrtunnel) und im Bahnhof darf der Zugführer von einem zum anderen Ende laufen, sieht man gut auf der Karte: La Combe-Tabeillon (Brouter-Karte). Dort hatte ich genügend Zeit, um in komplett trockene Kleidung zu wechseln und den Heimweg via Glovelier, Basel und Zürich anzutreten.

Heute folgt ein kurzer ™ Ausflug kurz vor die CH-FR-Grenze. Nachts im Tal untendrunter bin ich da schon vorbeigekommen, tagsüber auch

*apropos, neue Beläge nach 12’000km für die Hinterradbremse am Ottermobil haben das Geräusch beseitigt:

Geräuschmacher unten links, oben neue Beläge.

(Edit 19.05.2019: sechs Bahnhofsfotolinks ergänzt, bietet sich ja an)

#bahnhofsfotoCH goes @GeoBeerCH

Vor einiger Zeit hat mich @rastrau gefragt, ob ich zu dem Thema mit den Bahnhofsfotos einen Kurzvortrag bei ihrer Meetup-Serie GeoBeer halten könne. Nichts leichter als das. In ihrem Manifesto steht Our profession is our passion: We have «Geo» as our common prefix. Ja gut, da passe ich ja mit meinem Vornamen auch perfekt hin.

Die Veranstaltung gestern fand im Franz-Gertsch-Museum in Burgdorf statt, wo wir vorher noch Zeit hatten, die Exponate des (noch lebenden) Künstlers zu begutachten. Am beeindruckendsten fand ich die schiere Grösse der Bilder und natürlich auch, dass sie wie fotorealistisch aussahen.

Spontan war mir noch eingefallen, dass ich die Leute ja raten lassen könnte, wo jeweils das Hintergrundfoto einer Folie entstanden ist. Sie waren doch recht gut darin, aber wenn das alles Geo-Leute sind, sollte man das auch erwarten können.

Hinterher bei den Diskussionen war das dann schon fies von einem der Leute von Swisstopo (Gekko-Fahrer lustigerweise, viele normale Leute also da), mir mitzuteilen, dass sie damals aus Anlass des 175. Geburtstages von Swisstopo eine Serie von ziemlich nerdigen Geocaches in der Schweiz gelegt hätten, der letzte ist auf dem Gurten plaziert: https://coord.info/GC4V1W9 Ja gut, ich brauch ja was zu tun, es sind nur noch 17 Bahnhofsfotos.

Da der Zweitplazierte auf der Schweizer Bahnhofsfoto-Rangliste auch Georg heisst, werden etwa 60% der CH-Haltepunkte von Georgs fotografiert worden sein. Und in der deutschen Rangliste gibt es auch eine bedenkliche Häufung von Liegevelofahrern in den Top10.

Gares: Val de Sarine jusqu’au Lac Léman

Da ich meine beiden Tourtage vertauscht hatte, konnte ich heute durch den kürzeren Anfahrtsweg schon 08:40 meine Tour in Les Cases starten, nicht erst 10:38. Abfahrt war fast direkt vor der Tür um 06:46, Zmorge dank Umsteigepause in Romont geholt und dann weiter das Saanetal hinauf bis Montbovon, dort nochmal umsteigen bis Les Cases. Und nicht vergessen, den Halt anzufordern, sonst kommt man auf der anderen Seite des Tunnels in Jor wieder raus und da war ich ja neulich schon.

Ab Bulle bis La-Tour-de-Trême Ronclina war der Zug mit Schülern randvoll, die sind da alle ausgestiegen und zur Schule. Ja gut, ist ja ein Wochentag heute. Der Zug fuhr fast leer weiter.

Von Les Cases abwärts ging’s fix wieder bis Montbovon, dort noch ein bisschen weiter rechts rauf ins Saanetal bis nach La Chaudanne-Les Moulins. Da kam passenderweise gleich ein Zug, der mich und die fünf orange-beoverallten Bauarbeiter bis nach Montbovon wieder mitnahm. Richtungswechsel 90°, weiter nach Norden, ab jetzt mit Gegenwind.

Wieder in Bulle ging es noch weiter nach Osten, bis dorthin, wo die Saane in den Lac de Gruyère fliesst und wo das Gleis in einer Nestlé-Cailler-Schokoladenfabrik aufhört. Ich dachte mir erst, dass das so ähnlich riecht wie Röstfein in Magdeburg, aber dann fiel mir erst der Nestlé-Werksverkauf auf und dann die Fabrik.

Weiter ging’s wieder Richtung Westen, an den Bahnlinien wird generell sehr viel gebaut, erweitert und erneuert, teilweise sind sie durch Bahnersatz angeschlossen. Nachdem ich nochmal 90° nach links gedreht hatte, hatte ich den Wind auch von hinten. Bei 30-40km/h war es windstill, also konnte ich halt nur so in dem Bereich fahren.

Bis nach Grandvaux hab ich die S-Bahn genommen und dann das “letzte kurze Stück” ™ nochmal gekurbelt. Ähem, die spinnen da am See mit den Weinbergen. 15-25% steile Steigungen. Okay, ich hab mein Routing ja ignoriert, selber schuld. Die Aussicht hat aber für alles entschädigt 😀

In Bossières war ich 20min vor S-Bahn-Abfahrt, hab den Rotkehlchen im Stationsgebäude noch bei der Fütterung zugeschaut, mich umgezogen und die Veloplatzreservierung ab Lausanne bis Wil getätigt. Die wollte natürlich wieder niemand sehen.

Tourstrecke nur 75km, 1100 Höhenmeter und massiver Wind heute, mal von vorn, mal von hinten, mal von der Seite. Die Tour war wie geplant fertig, nur eben 2h früher, weil ich auch 2h früher gestartet war.

Zwischendurch gab’s mal noch einen Schreck, weil ich meinte, einen Bahnhof vergessen zu haben. Aber nein, da waren nur zwei, die sich sehr ähnlich sahen und die Fotoperspektive war auch noch dieselbe.

Noch ein Nachtrag nach Beendigung der Heimfahrt: ich wurde im ICN von Lausanne nach Wil DREI Mal kontrolliert! Im Gesamtschnitt meiner Tour passt die Kontrolldichte also wieder. Die Veloreservation wurde aber trotzdem nur einer Sichtkontrolle unterzogen, sie wurde nicht gescannt.

Gares: Pays Fribourgeois

Der Endspurt läuft, noch 105 Fotos, aber bis zum Geobeer am Donnerstag in Burgdorf kriege ich die nicht mehr alle hin. Immerhin ein Versuch heute und morgen, diese Anzahl noch zu halbieren.

Der Plan (der diesmal nicht funktioniert hat): Start oberhalb von Montbovon in Les Cases (auf der anderen Seite vom Tunnel liegt Jor, das ich bei der Montreux-Tour neulich zu Fuss erreicht hatte), dann das Saanetal hinunter bis Bulle am Lac de Gruyère, dort Spitzkehre und mit Rückenwind bis Bossière kurz vor Lausanne, zwischendurch auch Palézieux noch mitnehmen und alles am Weg. Dann mit dem Zug wieder fast bis Fribourg, in Avry übernachten und von dort dann am zweiten Tag via Romont bis Palézieux, Spitzkehre nach Norden, bis Payerne und nochmal links abbiegen und bis Yverdon, von dort mit dem Direktzug heim.

Soweit der Plan. Start 06:18 in Wil (auf die Reservation für den ICN um 06:34 hatte ich keine Lust), Winterthur bis Fribourg, Bulle, Montbovon, Les Cases. Dummerweise war beim Umsteigen in Fribourg dann ein Zug auf meiner Strecke, der dort nicht hätte herumstehen sollen. Bis Montbovon ist die Verbindung nur alle zwei Stunden, da hätte ich dort erst 12:38 Uhr starten können, zu spät für die geplanten jeweils >100km. Also rasch im Kopf umdisponiert, die beiden Tourtage vertauscht und heute die Strecke bis Yverdon fotografierend erlegen.

Beim Ablegen vom Panetarium in Wil hab ich den Lenkergriff nicht ganz erwischt, und weil ich ja einhändig losfahren wollte, bin ich erstmal gegen den Laternenpfahl gekippt. Gut dass kaum Leute da waren, die mich lachen hören haben.

Bis Winterthur waren im 1.Klass-Bereich des Thurbos drei Lokführer zugestiegen, d.h. bei einer Kollision mit einem anderen Zug sind mindestens fünf Lokführer gleichzeitig betroffen. Ganz schönes Klumpenrisiko.

Landschaftlich ist es nicht besonders spektakulär im Vergleich mit anderen Schweizer Gebieten, meine Strecke war mal verkehrsfrei, dann verkehrtvoll, am Ende auch noch auf der 5er-Veloroute bis nach Yverdon. Insgesamt 110km mit 1080 Höhenmetern.

In Cottens kam mir eine weisse Kamikazekatze von rechts nach links fast vor die Räder. Wenn die ein bisschen üben würde, könnte sie unten durch den Gepäckträger springen. In Moudon gab’s Regenschauer, aber ich war fast nicht betroffen, hatte den ganzen Tag Glück mit der Trockenheit.

Die Bahnhöfe hatten teilweise recht grosse Abstände, so dass es bei der Stundentaktung der Züge ein fleissiges Abwechseln zwischen Zug und Velofahren war, insgesamt bin ich viermal S-Bahn gefahren. Den ganzen Tag über wurde ich nicht ein einziges Mal kontrolliert.

In Lucens bin ich auch nach so einer S-Bahn-Taxifahrt ausgestiegen und wollte von dort weiterfahren, hatte das Foto gemacht, aber mein Zug stand noch da. Das war offensichtlich die zweigleisige Zugkreuzungsstelle, also bin ich wieder eingestiegen und noch eins weitergefahren.

Nach Estavayer-Le-Lac gab’s noch mehr Verkehr und einen guten Hügel zum Rauffahren und Runterheizen. Die hintere Bremse macht komische Geräusche, vielleicht muss ich doch mal die Beläge prüfen. Bis Yverdon war es am Ende total flach und total langweilig. Von links nach rechts: Wald, Bahnlinie, Wald, Strasse, Velostreifen, Wald, See, und das über einige Kilometer.

In Yverdon war ich schon gegen 17 Uhr. Mein Zug sollte 17:25 fahren, also bin ich (wegen Streckenkenntnis) noch bis zum Wendepunkt der S-Bahn nach Grandson gedüst und hatte dort genügend Platz, mich auch im Zug umzuziehen. Das Zugrouting: Yverdon-Lausanne-Fribourg-Rosé, also ähnliches Zickzack wie ich vorher gefahren war. Es sind auch recht viele Bahnlinien mit Baustellen behaftet oder sogar Bahnersatz.

In Avry gab’s ein McDonald’s zum Znacht. Nicht dass das üblicherweise lange vorhalten würde, aber nach einem grossen Menü war ich quasi schon nach den 1.5km bis zur Unterkunft (direkt an der Bahnlinie 🙂 ) wieder hungrig.

Bahnhofsfotos Vevey-Les Pléiades-Montreux

Irgendwann ist zum Glück die Schweizer Eisenbahnhaltepunktkarte mal abfotografiert. Aber bis dahin gibt’s noch was zu tun. Abfahrt war (mal wieder) 06:34 Uhr in Wil, heute erstaunlich leerer als üblich, obwohl ja nur die Zürcher (auf der Strecke) Feiertag haben. Da pendeln wohl doch einige.

In Lausanne hatte ich geplant eine halbe Stunde Aufenthalt. Laut Fahrplan hätte ich auch eine halbe Stunde später in Wil abfahren können und dann in Fribourg in den Eurobus, der ja im Fahrplan eingetaktet ist. Aber BUS ist ja nur die Abkürzung für “Beförderung Unterste Stufe”, ich will Zug.

In Vevey bin ich gleich entlang der Bahnlinie losgestiefelt, um dann später in den Flirt einzusteigen bis ganz oben auf den Gipfel. Fast hätte ich noch einen grad abfahrenden Zug erwischt, aber mir war unklar, dass Gilamont als Stop genau gepasst hätte. Naja, was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen.

Ab Blonay ging der Flirt dann per Zahnradstrecke weiter, und die war auch notwendig bei den Steigungen da.

Hier ist einfach nichts gerade, nur meine Kamera ist waagerecht ausgerichtet.

Oben bin ich gleich nach dem Foto wieder losgesprintet (war eh noch leicht bewölkt) und bis zur ersten Station unter dem Gipfel, so dass ich da gleich wieder einen Hop weiter abwärts fahren konnte. Ich optimiere ja schon, dass ich nicht so viel laufen muss.

Belohnt wurde ich den ganzen (ersten) Abstieg mit wunderschönen Panoramaussichten auf den See und die Berge gegenüber bei blauem Himmel. Menschen waren nicht viele da, auch als ich durch die Wohngebiete gelaufen bin, von einem Haltepunkt zum nächsten.

Weil ich eine halbe Stunde eher als geplant in Montreux war, hab ich mir den Spaziergang an der Riviera noch gegönnt und auch noch einen QR-Code aus der McD-App in zwei Cheeseburger und eine Apfelschorle umgewandelt. Dann hinauf bis kurz vor den Scheiteltunnel, der von VD nach FR führt (und die Goldenpass-Linie geht dann nochmal durch VD, bevor sie in Saanen nach BE wechselt, die Kantonsgrenzen sind ja total durchgeknallt).

Velomitnahme im Goldenpass war offiziell nicht möglich und in diesem Fall wäre es auch voll in die Hose gegangen. Im Zug stand noch eine MTBlerin mit Velo und als ich kurz vor der Station Jor auf den Knopf gedrückt habe, um den Halt anzufordern, hat sie schon seltsam geschaut und als ich dann ausstieg, hat sie mich nochmal gefragt, ob ich ganz sicher sei 🙂 Ja, war ich.

Erst ging’s einen Halb-Singletrail stolpernd nach oben, danach auf einem Wirtschaftsweg wieder abwärts. Oben schwebten Drachenflieger und Paraglider, hinter mir zeigte sich der Berg und vor mir tauchte wieder das Seepanorama auf, das ist schon komplett anders als der Bodensee oder der Vierwaldstätter (und der Zürisee ist kein See, wie die Arboner, Romanshorner und Rorschacher meinen).

Eine Herausforderung waren die drei Bahnhöfe der Museumsbahn Blonay-Chamby. Am Depot war Zutrittsverbot, ich bin trotzdem reingelaufen und hab den Mitarbeiter dort mal gefragt, wann sie fahren. Jetzt am Wochenende, soso. Na das Bahnhofsfoto vom Depot ist auch nicht so doll geworden. Ein paar Meter bin ich noch auf/neben den unbefahrenen Gleisen gelaufen, aber auf die andere Talseite wollte ich doch nicht auf der Strecke laufen (elektrifiziert übrigens). Da darf dann nochmal jemand ran, ähnlich auch wie bei der Furka-Dampfbahn. Ein Fuchs hat immer neugierig Abstand von mir gehalten, als ich über die Wiesen gestiefelt bin.

Zack, wieder die Aussicht auf den See. Schweizer Marine-U-Boote nicht abgebildet, die parkieren in der Seetiefgarage.

Ein bisschen stressig wurde es noch, aber nur weil ich die Verbindung ab Montreux um 18:47 kriegen wollte. Gutes Routing und insbesondere gutes Kartenmaterial sowie Kondition beim Joggen machten das aber dann doch ganz einfach, die letzten Bahnhöfe der Strecke noch zu erwischen und direkt in Le Châtelard VD in den Flirt zu steigen. Der TF-Führer hat perfekt gebremst, so dass die Tür genau vor meiner Nase zum Stehen kam. Das gab ein thumbs-up von mir und ein Grinsen seinerseits im Rückspiegel.

Endstation für heute bei den Fotos: Le Châtelard VD.

Drin wurde ich erstmal direkt befragt, wo ich denn hinfahren wollen würde, also eine klassische Fahrgastbefragung. Ich meinte Wil Saint-Gall und sie hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, so als ob es das Normalste von der Welt sei, 4h Zug zu fahren. Sehr sympathisch, es ist nämlich so 🙂

Der Coop Pronto in Montreux hat seinem Namen alle Ehre gemacht, also gab es bis und ab Lausanne wieder Flüssignahrung. Calanda Radler ist so die einzige Kombination, wo Calanda erträglich ist. Sorry, ich hab sonst schon ein Herz für Graubünden, schon allein wegen des Kantonskürzels, aber Calanda chasch eifach nöd suufe.

Bahnhofsfotos Simmental

Langsam schrumpfen die für Bahnhofsfotos möglichen Touren zusammen oder sie sind so weit auseinander, dass man sie nur mit grösserem Aufwand verbinden könnte. Gestern also nach einem dienstlichen Termin gleich weiter bis ganz ins hinterste Simmental nach Lenk und dann mit hop-on-hop-off zu Fuss wieder abwärts bis nach Zweisimmen. Auf der Strecke hatte es zu den Uhrzeiten Halbstundentakt und die zwei Billettkontrolleure hatten ihre helle Freude mit mir, haben mich aber irgendwann nur noch angelächelt.

Literatur und Arbeit hatte ich eigentlich genügend dabei, aber zu allem Überfluss hab ich ein leserloses Buch von Jules Verne gefunden, dessen zweiten Teil ich nicht kenne.

Teil 1 kenne ich schon seit über 30 Jahren, Teil 2 noch nicht.

Jetzt bin ich schon wieder im Zug (und zu Fuss) unterwegs nach Les Pléiades. Geplant ist auch noch die Strecke von Montreux bis Jor und wenn da der GoldenPass fährt, wäre es mit der Velomitnahme schlecht. Beim nächsten Geobeer in Burgdorf/Burdlef/Berthoud darf ich zu den Bahnhofsfotos was erzählen, aber nur fünf Minuten, d.h. ich könnte zum Beispiel jedes Bahnhofsfoto für zwei Sekunden zeigen.

Glasfaser daheim funktioniert neu auch mit Gigabit 😀 Vermutlich sollte der Ping sogar 1ms sein, aber meine Verkabelung daheim ist jetzt das “Problem”. Jahr 8 in CH fängt gut an.

Bahnhofsfotos Lago Poschiavo / Berninalinie

Im Südzipfel Graubündens waren noch ein paar Bahnhöfe ohne Foto (und eins war falsch, wie sich herausstellen sollte). Bis dahin ist es von Wil aus ungefähr die längste Fahrzeit im Inland, die man noch ohne Kreise und Umwege zu fahren, hinbekommt. Meine Marschtabelle war wie folgt: Abfahrt 05:56 ab Wil, 11:25 Ausstieg in Cadera, hinablaufen bis Poschiavo, weiterfahren bis Campocologno, von dort wieder retour laufen bis Miralago und wieder heimfahren. Ein gutes Buch (David Baldacci: Zero Day) hatte ich dabei und die Strecke kannte ich eh schon aus 2016 (Sommer / Winter) und vorher.

In Wil waren es 4°C, auf dem Weg zum Bahnhof hab ich ein Zehnernötli gefunden, bis Chur wurde es auch nicht viel wärmer. In den morgendlichen Zügen am Wochenende sind immer übernächtigte Partygänger zu finden.

Allegra links und Schnee hinten. In Pontresina aber trocken und schneefrei.

Ab Bergün/Bravuogn lag gut Neuschnee und das ging bis zum Albulatunnel weiter so mit dem Schnee. Danach im Oberengadin war es schon ein rechter Frühling ohne Schnee, weiter hinauf bis Ospizio Bernina hatte ich mich geärgert, die Sonnenbrille vergessen zu haben. Ab Alp Grüm war es blauer Himmel und sonnig, sogar warm, aber windig.

Am Lago Poschiavo war ich sonst immer nur vorbeigefahren, heute hab ich da sogar noch einen Cache gesucht, wurde aber nicht fündig. Steinmauern, igitt, egal welche Grösse die Steine haben. Zwischendurch kamen mir zwei Wanderer entgegen, fast die einzigen Menschen, denen ich heute begegnet bin. Ich meinte “buongiorno”, sie meinten “grüessech”. Die Zivilisation verfolgte mich also, wenn auch langsam 😛 Item, in Le Prese hab ich festgestellt, dass da jemand anderes ein falsches Bahnhofsfoto hochgeladen hatte. Das wäre einfach zu erkennen gewesen, weil schon das Schild an der Farbgebung eindeutig SBB war und nicht RhB. Also hab ich das auf Twitter gemeldet und kurze Zeit später konnte ich das korrekte Foto hochladen. Eins mehr in meiner Sammlung 🙂

Beim Abstieg von Cadera lief ein grösserer Hund mit mir mit, ohne dass ich ihn drum gebeten hätte. Ich hab ihm am Anfang deutlich gezeigt, was ich von ihm halte, dann kam er mir nicht mehr zu nahe. Lustigerweise hab ich nach einem halben Kilometer Pfiffe von hinten gehört, die dem Hund galten, die nur dieser nicht hören wollte. Ein paar Minuten später kam der Hundehalter mit dem Auto (klar, wie sonst) angefahren und hat den Hund eingesackt.

Da ich fix unterwegs war, hab ich sogar noch einen Rückzug eher geschafft als geplant. Gleiche Strecke, gleiche Umstiege, einfach ein paar Seiten weiter im Buch. Zu Hause zu lesen wäre ja langweilig.

Wer mal wissen will, wie stark der neue FV-Dosto schaukelt, kann einfach (bis 2021 noch) im alten Albulatunnel fahren, das ist ziemlich genau dasselbe Fahrgefühl. Arbeiten am Laptop ist sehr lästig, aber eine Quöllfrischdose fällt zumindest nicht um.

Jura einfach

06:28 Uhr Wecker

06:45 Uhr liege ich wieder — aber zum Bahnhof

(okay, das Beitrags-Intro und der Titel sind geklautadaptiert)

Der grobe Plan: von Morges am Lac Léman nach Le Brassus hinten im Val de Joux, Übernachtung dort irgendwo, am nächsten Tag weiter bis nach Neuchâtel und von dort wieder umsteigefrei heim.

Samstag: (nach)geplant (gpsies.com)

Sonntag: (nach)geplant (gpsies.com, ohne Bereinigung um Zwischen-Bahnstrecken)

Das sieht ein bisschen chaotisch aus, hat aber wieder Bahnhofsfotos dahinter.

Tags zuvor hatte ich noch ein airbnb-Zimmer am Lac de Joux angefragt, aber die haben sich nicht innert nützlicher Frist gemeldet, also hab ich auf Zelt umgestellt, dem Zeltplatz in Le Rocheray Bescheid gegeben, dass ich komme und mich für den nicht ganz so warmen Schlafsack entschieden, also nicht den von der Islandtour im Camper.

Die NZZ hatte ich gleich ganz im Briefkasten vergessen, aber ansonsten hat nichts gefehlt. Laut Wettervorhersage war Schnee angekündigt, also war ich auch mental darauf eingestellt, aber rein technisch nicht weiter vorbereitet.

07:04 war ich im Dosto, hatte mir vorher noch Frühstück am Bahnhof geholt und hab erstmal festgestellt, dass die Stellplätze unterschiedlich lang zu sein scheinen. Aber immerhin erstklassig. Nervig war (ist mir in Wil noch nie passiert), dass der Zug statt auf Gleis 2 auf Gleis 4 abfuhr. Da hat man einmal den Rohloffrollkoffer dabei und dann sowas. Das ebenfalls anwesende Militär musste auch verlegen und hat auch geflucht. Bier ist halt schwer im Koffer.

Die Stellplätze im FV-Dosto kamen mir eigentlich länger vor. Aber passt ja trotzdem und ist erstklassig.

Umstieg in Zürich, ein anderer Liegevelofahrer war da auch grad am Umsteigen, man lächelt sich wissend zu, obwohl man sich nicht kennt.

Ab Neuchâtel wurde es sonnig und in Morges bin ich etwa gegen 10:30 Uhr gestartet, nachdem ich mich (wie schon öfter hier) im Coop eingedeckt hatte. Es wurde sehr schnell ländlich, war aber weiterhin belebt. Die Landi hatte eine Einbahnstrassenregelung, die sich auch am Samstag wirklich anzubieten scheint, weil die Leute mit Kind und Kegel das komplette Sortiment dort rausgeschleppt haben. Später bog ein Misttransporter direkt vor mir ein und bei dessen Duft habe ich mir das Windschattenfahren gespart. Es wurde sonnig warm, von Schnee und überhaupt Niederschlag war nichts zu ahnen.

Der Waffenplatz Bière scheint recht bekannt zu sein, für mich sah das eher aus wie ein Waffenplatz (= eine Kaserne plus TrÜbPl in meinem Verständnis) plus ein angegliedertes Dorf. Es war alles extrem leer dort am Samstagmittag, Geschäfte geschlossen, kaum jemand zu sehen. Merkwürdige Stimmung, aber sei’s drum. Windschattenfahren nach vorherigem Überholenlassen durch ein Rennvelo ging auch, mein Vehikel hat ungefähr die fünffache Masse. Die Aussicht war immer gut 🙂

Sobald sich der Himmel zuzog, wurde es jeweils wieder kalt. Wie soll man denn mit zu kalten Fingern und nur einer Hand eins der sechs gekochten Ostereier schälen, gopfertaminomol? Hinter mir gab es wie immer eine Krümelspur und natürlich sind gekaufte gekochte Eier viel effizienter durch Massenverarbeitung.

Über mir stieg kurz vor L’Isle ein Segelflieger in den Himmel. Bzw. eigentlich wurde er ja gestiegen und war daher auch gar nicht so geräuschlos. Ich war schon die ganze Zeit im Regionalen Naturpark Waadtländer Jura (Parc naturel régional Jura Vaudois) unterwegs, hab es nur gar nicht gemerkt, aber vielleicht war es ja drum so still. Vielleicht gibt es Lärmvorschriften für Menschen. Ab Apples bis L’Isle war alles flach, dort war ich 14:15 und habe 20 Minuten Pause eingelegt, inklusive einem warmen Zopf (9 Fr. für 540g) und Himbeerkonfi (6 Fr.) vom lokalen Beck. Nein, ich habe ihn nicht gleich ganz aufgegessen, aber er war sehr gut. Pause war im Schlosspark, auch dort so gut wie keine Menschen.

Danach kam geplant der Col du Mollendruz auf 1184m hoch, innerhalb von anderthalb Stunden war ich gemütlich hochgefahren mit etwa 400 Höhenmeter pro Stunde, auch sehr verkehrsarm, trocken und sonnig. Nebenbei gleich die ersten Bahnhofsfotos hochgeladen.

Oben dann Jacke drüber und wieder runtergerauscht, in der Erwartung, dass es ja unten wieder wärmer werden würde. Aber nix da, in Le Pont war es noch deutlich kälter als oben. Irgendwie fiel mir da auch entfernt wieder ein, dass der See (auf 1004m) wegen seiner Lage in einem abgeschlossenen Hochtal im Winter immer zufriert (SRF-Video). Grosses Kino, das versprach ja schon angenehme Temperaturen zum Zelten. Die Stimmung in Le Pont war aber schon sehr schön, in der späten Nachmittagssonne, die aber auch nicht mehr wärmen konnte, an der Uferpromenade. 

Am Nordufer ging’s weiter bis ans westliche Ende des Sees und noch weiter, dahin, wo viele teure Uhren hergestellt werden (Blancpain, Jaeger-LeCoultre, etc.) Aber da Samstag war, war auch dort alles leer und tot, nichts tickte. Zwischendurch hatte ich unterhalb meines Campingplatzes* schon die Stimmung am See genossen, in fast absoluter Ruhe, mit einem leichten Wellenplätschern und dem extrem lauten Echo des Rufs eines Wasservogels.

*auch toll, wenn man beim Fahren denkt “ach, hier könnte ich doch eigentlich gut das Zelt aufstellen?” und dann ein Schild kommt “Camping verboten”

In Le Sentier gab’s einen riesigen Kebab, der viermal so teuer war wie das Bier dazu. Hm. Die ticken doch nicht richtig hier im Tal.

Der Campingplatz war bei meiner Ankunft schon geschlossen, es war aber alles gut zu finden und auch die Preise waren vorher klar. Gegen Mittag hatte ich per Mail schon eine Bestätigung über meinen Besuch bekommen — danke an Ursula Bachmann, deren Name sicher nicht aus dieser Region kommt.

Es wurde kälter. Zelt aufgestellt, Duschen, ins Bett und Notizen machen und dann schlafen. Tagesbilanz 6.5h Fahrzeit, 90km, 1400 Höhenmeter. Das geht schon in Ordnung mit 14kg Gepäck plus/minus Essen. Beim Zeltaufstellen (Zelt zuletzt bei der Solar Challenge in Südafrika benutzt) kamen gleich noch Erinnerungen hoch: ich musste mir doch den Wecker stellen, weil ja kein Team Nuon mit ohrenbetäubender Musik wecken würde.


Gegen 04:30 wurde es unangenehm kühl, gegen 06:30 Uhr bin ich dann doch aufgestanden und erstmal für die Morgenstimmung zum See runtergelaufen, auch um warm zu werden. 

Super-Morgenstimmung am Lac de Joux, bevor die Sonne über den Hügel rechts kommt.

Ich hatte mich noch gefreut, dass immerhin keine Feuchtigkeit vom Zelt tropfte. Ja Kunststück, war ja auch komplett gefroren, das nasse Handtuch vom Vorabend konnte ich bequem in die Ecke stellen. Der Rauhreif bröselte nur so vom Zelt, vom Liegesitz und von vielen anderen Sachen. Naja, Nacht überstanden.

Sieht wärmer aus, als es ist. Gleich rechts dahinter die Bahnstrecke.

Weil die Strecke von Le Pont bis Rocheray jetzt nicht so speziell war, bin ich planmässig auf den ersten Zug um 07:44, der mich dann bis nach Vallorbe gefahren hat (wo in den Kalkstein-Grotten ein Grossteil des Seewassers, das den See unterirdisch verlässt, wieder raufkommt). Im Zug war’s warm und los ging die Fahrt abwärts bis Bussigny kurz vor Lausanne.

Interessant war die doppelgleisig ausgebaute Strecke und auch, dass es da Regio-Züge und S-Bahnen gibt, die von Vallorbe bis nach Villeneuve (am oberen Ende des Genfersees) durchfahren. Warum mich das interessiert hat? Für ein Meeting in Rom hatte ich in Erwägung gezogen, den italienischen Nachtzug Thello von Rom zurück in die Schweiz zu nehmen, nur hält der nach Mailand erst wieder in Dijon, durchquert aber wohl die Schweiz (Domodossola, Simplon, Martigny und dann eben bis Vallorbe, meine Vermutung). 

Das Fahrgefühl war wie in Neuseeland, leicht hügelig und leer und ich hab mir zum Aufwärmen mehr Steigung gewünscht. Nur der TGV, der rechts auf der Strecke an mir vorbeifuhr, hat mich aus meinen Illusionen gerissen, die ich durch Linksfahren auch mal perfektioniert hatte.

In Croy-Romainmôtier gab’s aus dem Lavazza-Automaten erstmal einen “Kaffee”. Kann man machen, in letzter Zeit sind Selecta, Lavazza und ich eh schon zu dicken Freunden geworden. Bis Arnex bin ich dann spontan auch mal im Stadler mitgefahren und habe mich über ein Feld auf eine eigentlich nicht für Velos gedachte Nationalstrasse geroutet. Viel weniger Höhenmeter und gar kein Verkehr und Platz ohne Ende.

Endlich angekommen in Bussigny gab’s dort in der erbarmungslos niederbrennenden Sonne eine lange Mittagspause mit Kaffee aus dem Migrolino, bevor ich eine der langsamen S-Bahnen genommen habe. Hier wäre Kurze-Hosen-Wetter gewesen.

Bis Yverdon ging es fix weiter, so dass ich von dort gleich noch den Bonustrack bis Six-Fointaines (Richtung Sainte Croix) abgefahren bin. Zurückzu dann auf Betonwegen durch lauschige Wälder, nur unterbrochen von (wie immer) scheuenden Pferden und einem friedlichen Hund, der mich etwa auf Kopfhöhe begutachtete und beschnupperte und erst durch ein energisches reste! zur Raison gebracht wurde.

Schon die ganze Zeit wusste ich, dass der harte Teil bis Neuchâtel noch kommen würde — Höhenmeter und Gegenwind. Ich hab’s überstanden, die Aussicht hat teilweise entschädigt, aber nicht vollständig.

Das Ende der Tour war 17:20 in Bevaix, weiter mit dem Zug nach Neuchâtel und dann ab 17:59 nonstop heim, 20:25 in Wil. Regen ab Olten! Schnee daheim! Da hab ich doch die spontane Tour genau richtig gemacht. Im Zug waren noch zwei Rennvelofahrer, die im Tessin zwei Tage herumgekurvt sind.

Bei mir am Sonntag: 100km, 700 Höhenmeter, 06:06h Fahrzeit heute, ich bin immer gemütlich unterwegs, was mich aber nicht von >60km/h Spitzengeschwindigkeit abhält. Es fährt sich mit soviel Gepäck einfach sehr stabil.

Der Trainingszustand ist genau dann akzeptabel, wenn nach 3h Zugfahrt die letzten Meter hinauf in die Wiler Altstadt auch nicht mehr stören.